Die best Oma der Welt
Zu Weihnachten haben wir ihr eine Blume geschenkt,
damit sie sich an ihrem Aufblühen erfreut.
Die Entfaltung der Blüte durfte sie nicht mehr erblicken,
zu schnell verging ihre eigene Blüte.
Mit einem Lächeln hat sie glücklich die schwarze Erde
zwischen ihren Fingern gefühlt, zerrieben - im Topf.
Diese Finger und Hände, die in den letzten Jahren
viel zu zart und weich geworden sind.
Ich erinnere mich an ihre warme, trockene, raue Hand,
auf meiner - oder streichend über meinen Rücken,
zerfurcht vom Bohren in der Erde im Garten,
ihre größte Liebe - neben ihren Liebsten.
Oft kamen wir über den Berg zu ihr, durch die Hintertür,
sobald sie uns sah strahlend und glücklich, glänzende Augen.
Zur Begrüßung meine Hand umschlossen von ihren,
ein warmer Blick, ein kurzes Wort, ein freundliches Lachen.
Das alles war -
Heute sitzt Du nicht auf Deinem Sofa, als ich hereinkomme,
kein Lächeln spielt auf Deinen Lippen, als wir bei Dir sind,
nur ich umfasse Deine Hand, doch kein Gegendruck.
Du schläfst, geschlossen sind Deine Augen. Leb wohl...
4. Januar 2003
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